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Besuch der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle

„Überall auf der Welt, wo sich Menschen Regeln geben, weil sie miteinander friedlich zusammen leben wollen, müssen sie Mittel finden, um diejenigen zu bestrafen, die jene Regeln brechen. Das ist nichts anderes als das, was wir als Justiz bezeichnen. Wenn eine Gemeinschaft oder ihre Regierung aber beschließt, mit diesen Mitteln nicht nur die Regelbrecher sondern alle zu bestrafen, die andere Meinungen vertreten oder Minderheiten angehören, bezeichnen wir das als politische Justiz“

(Zitat [sinngemäß] Michael Viebig, Leiter der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle)


Mit ehrlichem aber unvorhergesehenem Erstaunen, erfuhren 18 junge Menschen der Klasse 12/2 auf sehr eindrucksvolle Art, dass diese Worte nicht nur nüchterne wissenschaftliche Erkenntnis, sondern individuell erlebte und tragische Realität der Vergangenheit unserer Heimat ist.
Am Donnerstag, dem 14. September, besuchten sie im Rahmen des Geschichtsunterrichtes die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle, die sich auf dem Gelände der gleichnamigen Justizvollzugsanstalt befindet, welche augenscheinlich einzigartig in der Geschichte der politischen Justiz ist. Von der Verfolgung der Revolutionäre gegen die preußische Obrigkeit von 1848, über die besondere Verwahrung politischer Attentäter des Kaiserreiches und den blutigen Strafvollzug gegen politische Feinde und Stigmatisierte im Unrechtsstaat der Nationalsozialisten, bis zu den ebenso beliebigen wie entwürdigenden Vergehen der Staatssicherheit an den eigenen Bürgern, erzählen vielfältige bewegende Einzelschicksale die Geschichte dieses besonderen Ortes vor unserer Haustür.
Eben diese Einzelschicksale in Hinblick auf die Phase des Nationalsozialismus galt es in den Ausstellungsräumen der Gedenkstätte zu erschließen, ihre Stimmen laut werden zu lassen und ihre Botschaften damit für uns alle wach zu halten. Als Nebenschauplatz in der Geschichtskultur erscheint der Rote Ochse vergleichsweise eher klein gegenüber den großen Zahlen des Leides und der Grausamkeiten in den Konzentrationslagern und Kriegsgebieten. Für jeden einzelnen Häftling im Roten Ochsen war das persönliche Leid und die Grausamkeit der politischen Justiz aber mehr als groß genug. Dies zu begreifen ist uns als Besucher der Gedenkstätte gelungen und wir laden jeden ein, dies mit uns zu teilen!

H.D.